Sag, Nein zu Handschuhen!

„Wer mit Handschuhen anfängt, hat schon wieder aufgehört!“ ein Zitat eines Freundes, das ich gerne immer wieder anbringe. Ganz ehrlich, ich kann die Dinger nicht mehr sehen! Rotz den du nicht brauchst! Spare dir lieber das Geld.

Wenn ich mit meinen Leuten vom Street Workout, Parkour, Klettern und Kettlebell-Experten trainieren gehe, sehe ich niemanden der Handschuhe verwendet. Alle verfügen über eine mehrjährige Erfahrung mit dem Sport, den sie betreiben. Es scheint also eine Tendenz erkennbar, die sich klar gegen Handschuhe positioniert.

Oder schau dir doch mal die Profisportler, Gewichtheber, Speerwerfer, Bodenturner, Kletterer usw. an. Sie benutzen weder beim Training noch beim Wettkampf Handschuhe, da diese durch den direkten Kontakt zum Trainingsgerät ein natürlicheres Gefühl, eine bessere Griffkraft und eine direktere Kraftumsetzung haben.

Natürlich habe ich gute nachvollziehbare Gründe, die gegen die Verwendung von Handschuhen sprechen und das mehr als einen.

Aber zuerst stellt sich die Frage warum du überhaupt welche verwendest?

In erster Linie benutzen Anfänger Handschuhe, um der ungewohnten Reibungsbelastung, die auf die Hände wirkt, vorzubeugen. Denn die intensive Belastung, hervorgerufen durch Klimmzüge, Muscle ups etc. bringt anfänglich unangenehme Blasen mit sich und damit verbundene Schmerzen die Stange zu packen. Hier ergreift so mancher den Trugschluss mit Handschuhen der Problematik vorzubeugen.

Entstehung von Blasen

Das Problem ist, dass sich deine Haut auf den Handinnenseiten der neuen Belastung noch nicht angepasst hat. Deine Haut ist zu dünn und durch den andauernden Druck und der auftretenden Reibung, lösen sich die oberen Hautschichten von der unteren. Der so entstehende Hohlraum füllt sich mit Gewebeflüssigkeit oder Blut und ruft bei Druck Schmerzen hervor.

Der natürliche Handschuh

Aber wie mit allem hat die Natur vorgesorgt und besitzt zum Glück die Kunst, sich an neue Umstände anzupassen. Trainierst du viel mit deinen Händen und übst so einen immer wiederkehrenden Druck auf sie aus, produziert der Körper eine Schutzschicht, die sich Hornhaut nennt.

Diese fungiert als Abwehrschutz für Gewalteinwirkungen wie Druck und Reibung. Der Körper stellt dir also einen hauseigenen Handschuh zur Verfügung. Genial! Also warum trägst du nochmal Handschuhe?

Zeitliche Anpassung

Deine Hände benötigen Zeit, um sich zu adaptieren. Erst nach einem konstanten Training von ungefähr 3 Monaten haben deine Hände den natürlichen Handschuh entwickelt. Es wird zuerst ab und zu ein wenig weh tun, aber wir sind ja hier auch nicht beim Kaffeeklatsch, du nicht aus Zucker und wir nicht beim Freeletics, also sei ein Mann und „get over it“!

Hast du das geschafft wirst du mit der richtigen Pflege kaum noch Probleme haben. Sebastian Müller ein Freund und erfahrener RKC-Kettlebell-Instructor hat hier einige nützliche Tipps zusammengefasst.

Vorteile und Nachteile

Es sprechen diverse Sachen gegen die Verwendung von Handschuhen beim Training. Der unmittelbare Kontakt von Hand und Stange bringt den Vorteil, dass du die Stange ohne Barriere spürst.

Es ist als ob du im Winter Handschuhe trägst und damit versuchst mit deinem Handy einen Anruf zu tätigen oder eine WhatsApp-Nachricht zu verfassen. Dies wird durch die Trennung des direkten Kontakts zwischen Hand und Handy erschwert. Und genauso verhält es sich an der Klimmzugstange.

Du glaubst mir nicht? Dann gibt es für dich einen ganz einfachen Test. Teste doch einmal deine maximale Anzahl an Klimmzügen. Erst mit Handschuhen und dann ohne. Ich kann dir versprechen, dass du ohne Handschuhe fähig bist, ein paar Wiederholungen extra herauszuholen.

Warum ist das so? Es liegt wie oben angesprochen an dem direkten Kontakt zur Stange. Während der Handschuh nochmal eine Barriere zwischen der Hand und Stange darstellt.

Handschuhe sind übrigens kein Schutz vor Hornhautbildung, du wirst diese trotzdem bekommen!

Die Gefahr des Schwitzens

Wenn du Handschuhe trägst oder mal getragen hast, kannst du ein Lied davon singen, wie nervig man gerade an Sommertagen darin schwitzt. Das alleine ist nicht nur eklig und unhygienisch, sondern verursacht aufgeweichte Hände, so als hättest du die letzte halbe Stunde in der Badewanne verbracht.

Die logische Konsequenz von aufgeweichter Haut und dazu auftretender Reibung ist weniger Halt und schmerzhafte offene Hände. Das willst du nicht und bringt dich in deinem Training Null voran.

Fazit
Nach diesem Text sollte ich dir genügend Gründe aufgezeigt haben, warum du endlich diese verdammten Handschuhe an den Nagel hängen solltest.

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Ein bisschen Handcreme und eine gute Hornhautfeile und deine Hände bleiben super in Schuss und sehen aus als würdest du frisch aus der Pediküre kommen (so vielleicht nicht ganz, aber so akzeptabel, dass man anderen getrost die Hand reichen kann :D).

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Paul Böhme
Über Paul Böhme
Co-Founder of Calisthenics-Parks and chief of editorial staff.

3 Comments

  1. Hey Paul,
    ich habe deinen Blog über eine Calisthenics-Gruppe in meinem Ort gefunden, und deinen Artikel zum Thema Handschuhe finde ich genial!

    Früher bin ich oft in’s Fitnessstudio gegangen, habe aber nie wirklich Erfolg gesehen. Heute habe ich mein erstes Freeletics Workout und bin echt gespannt!

    Werde deinen Blog auf jeden Fall weiter verfolgen 🙂

    Gruß,
    Jan

    • Hallo Jan,

      danke das dir der Artikel zugesagt hat. Es freut immer wieder postives Feedback zu erhalten.
      Das mit den Handschuhe ist wie gesagt halt so eine Sache entweder man liebt sie oder man hasst sie.

      Mit Freelatics stehe ich eher so auf Kriegsfuß und würde dir dringend Street Workout empfehlen.
      Aber zum Thema Freelatics lasse ich mich nochmal in Zukunft aus.

      Viele Grüße aus Düsseldorf

      Paul

  2. Irgendein bekannter Ami sagt immer „wenn Du schon Handschuhe zum Training nimmst, dann sollten Du sie auch zu Deiner Handtasche passen“ 😉

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