Hallo Lee, Willkommen! Es ist mir eine Freude dich hier auf unserem Blog begrüßen zu dürfen. Für die Leser, die dich noch nicht kennen sollten, erzähl uns doch bitte ein bisschen mehr von dir!

Hallo Leute, ich bin Lee Wade Turner 38 Jahre alt und Mitglied des in London ansässigem ‚Recession Proof Body‘ Calisthenics Teams.

Lee Wade Turner InterviewIm Jahre 2009 bin ich über Youtube zufällig auf Videos der Bartendaz, BarBarians & Hannibal 4 King gestoßen. Das war mein erster Kontakt mit Street Workout. Zu dieser Zeit suchte ich nach Mittel und Wegen meine Klimmzüge zu verbessern und sah all dieses verrückte Zeug, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Muscle ups, Levers, Freestyles etc.! Ich war überwältigt und wurde wie viele andere auf der Welt sofort süchtig.

Zuerst habe ich alleine in meinem lokalen Fitnessstudio trainiert, aber 2011 zog ich dann von meiner Heimatstadt Clithoeroe in Lancashire im Nordwesten von England, näher nach London, wo es viele gute Parks mit Workout-Geräten gibt und mehr Leute trainieren. So trainiere ich jetzt mit mehr Sportlern, die wie ich denken und den Calisthenics Sport lieben.

Wie sieht im Moment eine reguläre Trainingseinheit von dir aus? Gibt es spezielle Sachen, an denen du zurzeit arbeitest?

Im Moment trainiere ich lieber in meinem lokalen Gym als draußen im Park, denn es ist Winter in London und man will nicht wirklich draußen trainieren während der Wintermonate.

Seit einer Weile konzentriere ich mich auf den Handstand. Etwas, dem ich viel mehr Aufmerksamkeit hätten schenken sollen, als ich mit Street Workout anfing, es aber leider nicht getan habe.

Das ist im Moment eine große Herausforderung für mich, aber ich entwickle mich stetig weiter. Auch, wenn ich Niroc und LittleBeastM betrachtet noch einen weiten Weg zu gehen habe.

Normalerweise trainiere ich so 4 bis 5 mal die Woche und eine Einheit dauert im Schnitt so 1 1/2 Stunden bis 2 Stunden.


Für mich und viele andere bist du bekannt für das „Ultimate Set“. Woher kam die Idee für das Set und was ist die Geschichte dahinter? Viele Leute würden gerne wissen, mit welcher Art von Training du dieses Set bewältigt hast.

Das ‚Ultimate Set‘ war nicht meine Erfindung…. ich nannte es nur das ‚Ultimate Set‘ ….und irgendwie blieb der Name kleben!

Zurück in 2010 als ich noch Mitglied des BarBarians Team war, nahm ich an den monatlichen Wettbewerben im BarBarians-Forum teil. Leute aus der ganzen Welt würden sich miteinander messen, ein guter Spaß um sich selbst zu testen.

Ich stolperte auf YouTube über ein Video von einem ‚old school‘ NYC Bar Athleten (vielleicht jemand vom Team Wingate, aber ich bin mir nicht sicher und ich kann mich nicht erinnern auf welchem Kanal es war)… Die Routine wurde jedenfalls in diesem Video gezeigt, mit dem Ziel das Set mit so wenig wie möglich Pausen zu beenden.

Bis zu diesem Zeitpunkt glaube ich, hatte noch niemand versucht das Set ohne Pause zu vollenden.
Ich dachte mir, es würde eine gute Idee sein das Set als eine der monatlichen Herausforderungen im Babarians-Forum zu posten. Das war der Moment als ich anfing, mich an diesem Set zu versuchen… Keiner schaffte das Set in diesem Monat komplett. Obwohl es einige Jungs gab, die bis zu den finalen 5 Muscle ups kamen, hatte keiner die Ausdauer die Routine am Stück zu schaffen.

Lee Wade Turner Calisthenics

Man kann zusammenfassend sagen, dass es ein großer Test für die Muskelausdauer eines jeden ist. Man sollte Respekt vor jedem haben, der fähig ist die 45 Wiederholungen auszuführen, ohne von der Stange zulassen.

Wie schaffst du es dich zu motivieren bzw. motiviert zu bleiben, nachdem du Ziele, wie zum Beispiel das ‚Ultimate Set‘ erreicht hast?

Ich persönlich finde es nicht schwer motiviert zu bleiben. Meine Besessenheit zu trainieren besitze ich schon seit dem Alter von 15-16 und ich kann wirklich sagen, dass ich bis zum heutigen Tag keine Pause gemacht habe.

Sogar als ich für ein paar Jahre im Ausland unterwegs war, habe ich mir immer die Zeit genommen um zu trainieren. Genau genommen war es 1997, als ich zum ersten Mal in Sydney mit einem Workout Park in Kontakt kam. Der Park lag am Bondi Beach. Damals drehte sich alles ausschließlich um ‚sets & reps‘. Ich kann mich nicht dran erinnern, dass zu der Zeit ‚freestyle‘ Sachen existierten.

Es gibt immer etwas im Calisthenics Training, an dem man arbeiten oder, das man verbessern kann.. Ob es Sets, wie das ‚Ultimate Set‘ sind, oder die Arbeit für einem perfekten Handstand ist. Ich verliere ganz einfach nicht die Motivation. Meinen Körper zu trainieren liegt in meinem Blut und glücklicherweise sind da noch ein paar andere in London, die genauso fühlen wie ich, so motivieren wir uns auch gegenseitig.

Kannst du uns etwas zu deinem Calisthenics Projekt/ Team „Recession Proof Bodies“ erzählen? Wer außer dir ist dabei und welche Idee steckt dahinter?

‚Recession Proof Bodies‘ ist ein Workout Team in welchem ich Mitglied bin.

Ich trainiere dort zusammen mit Sai Ngo und Ranjit Bhachu. Gemeinsam geben wir wöchentliche und monatliche Kurse in zwei verschiedenen Londoner Crossfit Studios und veranstalten Street Workout Workshops im ganzen Vereinigten Königreich und Europa.

Wir drei funktionieren sehr gut zusammen. Erst vor kurzem haben wir (RPB) mit dem Muscle & Fitness Magazine zusammengearbeitet. Zusätzlich wurden wir im vergangenen Sommer als Gäste nach Russland zur Eröffnung eines neuen Street Workout Parks (+ Wettbewerb) eingeladen. Solch eine Art von Einladung ehrt uns natürlich.

 

Mit der Arbeit, dem vielen Training unter der Woche und den RPB Workshops an den Wochenenden scheint deine Zeit stark limitiert. Wie findest du die richtige Balance zwischen Familie und Street Workout? Gibt es spezielle Vereinbarungen mit deiner Familie?

Es ist wahr, ich hab ein extrem vollen Terminkalender, der den vielen Dingen geschuldet ist, die ich jede Woche zu erledigen habe.

Lee Wade TurnerIch habe Glück, dass meine Freundin Simone versteht, wie viel mir mein Training bedeutet und ich bei ihr auf großes Verständnis stoße. Um ehrlich zu sein, es ist nicht, dass ich jeden Tag der Woche für Stunden trainiere .. Normalerweise trainiere ich 4 mal die Woche für 1 ½ bis 2 Stunden und die Workshops finden ungefähr 1 bis 2 mal im Monat statt. Es ist also nicht ganz so, dass ich für Tage unterwegs bin. Ich würde sagen, meine Woche sieht nicht viel anders aus als die eines durchschnittlich arbeitenden Manns in England. Die Wochenenden verbringe ich meist mit meiner Familie.

Im Moment hat man den Eindruck, dass überall in Europa die Street Workout/Calisthenics Szene am Explodieren ist. Viele neue Leute tauchen auf, Leute versuchen aus dem Sport Kapital zu schlagen, neue Styles wie „Barhopping“ entstehen und jeden Tag entstehen auf Plattformen, wie YouTube neue Tutorials und Videos…
Es scheint umso mehr der Sport wächst, desto mehr Herausforderungen hat er zu bewältigen. Welchen Weg denkst du wird Street Workout einschlagen und was wird die Zukunft bringen?

Ja du hast Recht, diese ganze Street Workout Geschichte ist in relativ kurzer Zeit sehr schnell gewachsen und es gibt mittlerweile viele verschiedene Styles und Wege, wie Leute ihr Training gestalten.

Es ist kein Geheimnis, wie ich und die Jungs mit denen ich trainiere, unser Training absolvieren. Wir konzentrieren uns zuerst auf die Grundübungen und eine saubere Form bei Basics, wie Liegestützen und das den ganzen Weg bis hin zu den Turnelementen, wie Planche und Frontlever. Und wir trainieren hart… sehr hart!

Ich glaube durch ein paar ausgewählte Athleten entstand hier in England die Bezeichnung „Hard Hitters“. Mittlerweile beschreiben diese Worte weltweit eine spezielle Art des harten Trainings.

Im Moment dreht es sich oft darum möglichst viele spektakuläre Moves an der Stange zu vollbringen. Und um ehrlich zu sein, manche dieser Sachen hauen mich echt um, aber lange nach dem das ganze ‚Street Workout‘ Phänomenen vorbei sein wird, werden eine ganze Menge Jungs, die diesen Moment genossen haben, gehen.

Übrig bleiben die Jungs, die trainieren „müssen“. Ich rede von denen, die es in ihren Genen haben. Diese werden dabei bleiben und genau nach dem gleichen Muster weiter trainieren, wie sie es schon zuvor getan haben.

Für mich persönlich ist die ganze Street Workout Bewegung so groß geworden, dass es für mich schwer geworden ist auf dem aktuellen Stand zu bleiben, wer der Champion welcher Federation ist oder wer welchen Wettbewerb in welchem Land gewonnen hat.

Ich möchte mich einfach auf mein eigenes Workout und meine eigenen Ziele konzentrieren. Ab und zu trainiere ich mit den Jungs, die mich wirklich motivieren hier im Vereinigten Königreich und folge einigen mit denen ich schon länger in Kontakt bin auf Social Media Plattformen oder YouTube.

Du lebst in London und kennst die heimische Workout Szene sehr gut. Nach wem sollten die Leute Ausschau halten? Wer denkst du sind im Moment die stärksten Jungs und mit wem trainierst du?

Es gibt es einige starke Charaktere im Vereinigten Königreich, nicht nur in London – Solo, Theo, Miguel, Lee Wade TurnerJay sie alle trainieren in der Art, wie ich es tue (saubere Form und Technik an erster Stelle). Es ist schwer alle aufzuzählen, da gibt es noch Sunny, Amir, Fred und C Mills alles Monster, aber alle sehr bescheiden, sie würden nie nirgendwo mit ihren Leistungen angeben oder darüber reden, was sie alles können…

Ich persönlich stelle die anderen beiden Kollegen von RPB – Sai und Ranjit an die Spitze und ich glaube nicht allzu viele Jungs würden sich darüber beschweren. Die beiden sind ‚lächerlich‘ Stark, können alle ‚Holds‘, entwickeln sich schnell, haben das Alter auf ihrer Seite und scheinen außergewöhnliche Gene zu besitzen!

Wenn man London für einen Wochenend-Trip besucht und zusätzlich noch trainieren möchte, was sollte man sehen und wo sollte man trainieren!?

Da gibt es so viel, was man sehen kann und machen sollte. Ich könnte den ganzen Tag hier sitzen und diese eine Frage beantworten. Ich persönlich bewege mich am liebsten durch die Shorditch und Camden Town Gegend, dort kann man über verschiedene Märkte und durch einmalige Läden schlendern. Ein weiteres großes Plus ist, dass der populärste Workout Park, der ‚Pimrose Hill Park‘ von Camden aus nur die Straße runter ist.

Der Park wurde erst kürzlich mit neuen Geräten ausgestattet, welche ich hoffentlich bald näher betrachten kann. Andere erwähnenswerte Parks sind der ‚Kennington Park‘ in Süd London und der ‚Victoria Park‘ im Osten Londons.

Du siehst sehr durchtrainiert aus, ist dies einfach nur das Resultat deines Workouts oder folgst du einer speziellen Ernährung?

Danke… Mein Körpertyp ist von Natur aus ‚mesomorph‘ und da ich zusätzlich schon seit meiner Jugend konstant trainiere hilft mir das meinen Körper in Form zu halten.

Als ich jünger war, war mir ein muskulöses und schlankes Aussehen sehr wichtig und so habe ich immer Lee Wade Turnerhart im Fitnessstudio gearbeitet um dieses zu erreichen. Ich erinnere mich als ich jünger war, wie ich zu Boxern wie Chris Eubank und Nigel Benn aufgeschaut habe und eine ähnliche Körperstatur aufbauen wollte. Diese Jungs waren die Helden meiner Kindheit.

Auch heutzutage mag ich es noch gut auszusehen, aber das ist mittlerweile eher sekundär. Mir ist es wichtiger ist an der Stange stärker zu werden und meine Trainingsziele zu erreichen als die Ästhetik meines Körpers. Ich folge nicht wirklich einer bestimmten Ernährung. Ich stelle nur sicher dass ich jeden Tag mein Proteine, Gemüse und Früchte bekomme, genug Wasser und Grünen Tee trinke und vermeide Fast Food.

Mittlerweile ist es Winter draußen. Wo trainierst du im Moment?

Von November bis circa Ende März bleibe ich den Parks fern und trainiere im Fitnessstudio. Ganz in der Nähe wo ich lebe, bin ich in einem Studio angemeldet. Dort gibt es ein großes CrossFit style ‚pull up rig‘ und reichlich Platz für mein Parallettes-Training. Außerdem trainiere ich noch in dem Crossfit-Studio, wo ich meine wöchentlichen Calisthenics-Kurse abhalte, so gibt es immer ein wenig Abwechslung.

Winter in England macht nicht wirklich Spaß, er ist kalt, nass, trist und es wird dunkel ab 16.00 Uhr. Alles in allem nicht wirklich ideal für mein Training. Zusätzlich läuft man Gefahr, sich mit kalten Muskeln und Gelenken eher zu verletzten.

Viele Jugendliche sind kurz davor mit dem Calisthenics Sport anzufangen. Welchen Rat würdest du Anfängern heute mit auf den Weg geben?

Mein Rat ist: „Renn nicht bevor du nicht Laufen kannst!“ Zuerst sollte man mit Hilfe von klassischen Eigenkörpergewichtstraining, wie Liegestützen, Klimmzügen, Dips und Sit ups eine gute Basiskraft bilden, bevor man sich an schwierigeren Techniken und Halteübungen heranwagt.

Wenn du noch jung bist und gerade erst anfängst, hast du noch alle Zeit der Welt, dich weiterzuentwickeln. Also bitte keine Progressionen überspringen und schlechte Form anwenden, nur um höhere Wiederholungszahlen zu erreichen.

Einfach bescheiden bleiben und Spaß bei der Sache haben.

Wenn man von dir lernen und mit dir trainieren will, wo kann man dich treffen? Ich weiß du arbeitest unter der Woche als Bodyweight Coach in London? Und gibt es schon irgendwelche Pläne mit dem RPB-Team nach Europa zu kommen und Workshops abzuhalten?

Letztes Jahr haben wir in England, Irland und Nord-Irland 12 Workshops abgehalten. Für dieses Jahr haben wir das gleiche vor und vielleicht können wir bald Termine für andere europäische Länder bestätigen…. Deutschland wir warten!

Und wie du schon sagtest, wir haben zusätzlich noch unsere wöchentlichen Kurse in Süd-London im „Crossfit Performance 360“ Studio seit über einem Jahr. Dort leitet Ranjit immer den Montags-Kurs von 19:30-20:45 Uhr an dem jeder teilnehmen kann.

Ich persönlich leite seit letztem November noch einen monatlichen Kurs in Warlingham im „Crossfit Devils Path“ Studio (Süd-London). Dieser findet immer den letzten Samstag des Monats von 10:00-11.30 Uhr statt. Auch hier sei nochmal erinnert, es kann jeder teilnehmen. Du musst kein Mitglied des Studios sein. Also perfekt für jeden, der London für einen Kurztrip besucht, einfach vorbeikommen und mitmachen. Das Beste, was du machen kannst, ist uns vorher per Facebook zu kontaktieren und wir klären alles weitere.

Instagram: lwt1976
Twitter ist @official_RPB

Lee vielen Dank für das interessante Interview! Hast du noch irgendwelche letzten Worte oder Tipps für unsere Leser?

Lee Wade TurnerDanke es war mit mir ein Vergnügen. Mein einziger Rat ist, mach was du gerne mit deinem Training machen möchtest. Manche Leute mögen Freestyle-Training, wie Bar Hopping oder wie auch immer du es nennen willst, andere trainieren gerne die Basics und endlose Kraft-Ausdauer mit ‚Sets & Reps‘. Wieder andere trainieren nur ‚Weighted Calisthenics‘ und dann gibt es wieder Sportler, die alles miteinander kombinieren.

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, solange du am Ende des Tages im Park oder im Fitnessstudio unterwegs bist anstatt zu Hause auf der Couch hockst Videospiele spielst oder mit dem Gesetz in Konflikt gerätst, kann dieser Sport nur eine gute Sache sein.

Mach was dir Spaß macht und verzweifle nicht, wenn du nicht gleich deine Ziele erreichst… bleib dabei und fühle den Sport. LWT

Veröffentlicht von Paul Böhme

Co-Founder of Calisthenics-Parks and chief of editorial staff.

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