IMG-20160520-WA0016Über Spucke, Hühnerfüße und Endgegner-Senioren im Calisthenics Park in der Volksrepublik.

Chinesische Männer verfügen über perfekte Ringturnermaße. Während ich so in der U-Bahn saß, musterte ich die kaum mehr als 1,75m großen Jungs mit ihren sehnigen, drahtigen Körpern, die vermutlicher Weise noch weniger wiegen und somit perfekte Voraussetzungen für den Sport an den Ringen haben.

Peking

Die chinesische Hauptstadt empfing mich schon Mitte Mai bei sommerlichen 27 Grad. Kurze Hose war somit Pflicht! Kaum im Quartier angekommen stellte sich die Frage, wo man in dieser riesigen, 12 Millionen Einwohner Stadt, Klimmzugstangen und somit gute Trainingsmöglichkeiten finden könnte.

Natürlich hatte ich vorher im Internet schon recherchiert und so hatte ich 3 mögliche Spots gefunden, bei denen ich es mal versuchen wollte. Sonst hatte Google zum Thema Calisthenics in China nicht viel zu bieten.

Zensur

Ich schrieb mehrfach die einzige auf Facebook zu findende Seite an, in der Hoffnung auf ein gemeinsames Training, doch leider ohne Erfolg. Bald wurde klar warum ich generell nichts zum Thema Street Workout in China finden konnte. Facebook, Youtube und Google sind gesperrt!

Alles läuft über chinesische Portale und ohne Chinesisch kommst du da nicht weit! Oder weißt Du was Klimmzugstange auf Chinesisch heißt?

Die Parks

Lange Rede kurzer Sinn. Die Calisthenics Parks in Peking sind gar nicht mal so schlecht. Die Barren sind schön hoch (oft Schulterhöhe) und wer die 1,85m nicht überschreitet findet auch immer eine Stange, wenn auch dünn, zum Aushängen.

Die Anlagen befinden sich überwiegend in öffentlichen Parks, wobei fast immer ein symbolischer Eintrittsbeitrag von 0,30€- 2,50€ zu entrichten ist.

Mit Abstand der beste Park ist der Tiantan Park (Himmelstempel). Wenige Meter vom East Gate entfernt befindet sich eine riesengroße Street Workout Anlage mit unzähligen Hangelleitern, Klimmzugstangen, Low Bars und hohen Parallelbarren. Bei diesem Outdoor-Fitnessstudio hat man alles, was man braucht.

Training wie im „Zoo“

DSC_0195Als Ausländer, der an Klimmzugstangen körperlicher Ertüchtigung nachgeht, war ich unter den 50-70 anwesenden chinesischen, fast ausschließlich Männern, der absolute Mittelpunkt. Auf Schritt und Tritt wurde mein Training verfolgt und auf Chinesisch kommentiert. Zu gern hätte ich gewusst, was sie dachten und sagten.

Leider konnte niemand auch nur einen geraden englischen Satz rausbringen und so war der Austausch auf gestikulieren mit Händen und Füßen beschränkt.

Interessant war, dass fast ausschließlich Senioren trainierten und kein einziger Heranwachsender oder junger Erwachsener zu sehen war. Calisthenics scheint hier ein Ding der alten Leute zu sein. Und die waren echt fit!

Was durfte ich alles bestaunen, Muscle Ups, 20 sek Frontlever, Spagat, L-Sit-Pull Ups und Pan Cake Stretches. Was die alten Männer so drauf hatten wahr Wahnsinn. Es war unglaublich lustig, immer wieder kamen Leute und wollten ein Foto mit mir machen und mir die Hand schütteln. Am Ende war es fast ein bisschen peinlich, aber unglaublich sympathisch.

Tretminen aus Spucke

Als eine chinesische „Unart“ ist mir das Spucken aufgefallen. Die Leute genießen es dort herum zu rotzen. Immer wieder durfte ich hören und sehen, wie genüsslich die eigene Rotze in Form von spucken verteilt wurde. Problem: Ich liebe es barfuß zu trainieren!

Als ich meine Schuhe beim Training auszog, ging ein verständnisloses Raunen durch die Reihen und ich musste arg aufpassen nicht in eine dieser leckeren Hinterlassenschaften zu treten. Barfußläufer aufgepasst!

Shanghai Calisthenics

Nach einer Woche entschied ich mich dazu mit dem Schnellzug nach Shanghai zu düsen. 1200 Kilometer und 5 ½ Stunden später war ich in der Industriestadt am Meer. Und das für nur schlappe 80 Euro pro Strecke, ein richtiges Schnäppchen.

Nach Shanghai wollte ich unbedingt, denn dort hatte ich eine Zusage für ein gemeinsames Training erhalten. Eelco von Shanghai Calisthenics war ein Niederländer, der wie das Klischee es so will für eine holländische Blumenfirma in China tätig war. Er sagt mir ein Treffen inklusive gemeinsamem Training zu.

Wie es der Zufall will, hatten wir das Glück strömenden Regen zu haben und so absolvierte ich ein Workout das 300 Dips umfasste. Aber bei ausreichend heißem Tee und viel Cali-Talk machten wir uns eine gute Zeit.

Wer also nach Shanghai kommt und dort trainieren möchte sollte Shanghai Calisthenics mal einen Besuch abstatten.
Ach ja, kleiner Tipp am Rand. An den Sport- Leichtathletikanlagen an den Unis gibt es oft Klimmzugstangen und Barren.

Das Essen in China

IMG-20160520-WA0031
Hühnerfüße

Zum einen sehr lecker zum anderen sehr günstig. An jeder Ecke gibt es irgendwas: herzhafte Pfannkucken, Grillspieße oder Bautze (gefüllte Hefeteigbrötchen). Wer sich traut kann auch mal Hühnerfüße in Angriff nehmen, ich kann nur sagen die Dinger erfordern einiges an Kauvermögen und es ist nicht viel daran.

Highlight war noch die original Peking-Ente in Peking. Aber was richtig geil war, sind die ganzen Obststände, die es gefühlt alle paar Meter gibt. Da hab ich mir immer für umgerechnet 1 Euro so ein Art Früchte-Mix bestehend aus Melonen, Ananas und sonstigen Früchten geholt.

Ach ja: Red Bull hat da auch nix gekostet, also hab ich irgendwann angefangen das wie Wasser zu trinken. Wahrscheinlich nicht die gesündeste Entscheidung. Aber lecker wars 😉

Fazit

Mein Tipp: In Peking solltest Du unbedingt in Tiantan Park trainieren gehen und in Shanghai triffst Du dich mit den Locals für eine verregnete Trainings-Session inklusive heißem grünen Tee.

Wer sich vor Spucke, Hühnerfüßen und Rentern im Workout Park nicht fürchtet ist im Reich der Mitte gut aufgehoben und wird auf seine Kosten kommen.

War ’ne gute Zeit dort und wird bestimmt nicht meine letzte Reise in die Volksrepublik gewesen sein.

Happy Pulling

Euer Paul

Weitere Artikel zum Thema Training findest du

                       –> HIER!

Veröffentlicht von Paul Böhme

Co-Founder of Calisthenics-Parks and chief of editorial staff.

Schreib einen Kommentar